PORTUGAL, MON AMOUR
Im kino qtopia
PORTUGAL, MON AMOUR
Nach den Spanierinnen in Philippe Le Guays turbulenter Milieustudie "Nur für Personal" aus den Sechzigerjahren knöpft sich Ruben Alves in seinem fröhlichen Debüt eine portugiesische Familie vor, die vor Jahrzehnten nach Frankreich kam, um Faschismus und Armut zu entgehen. Maria Ribiero arbeitet als Concierge im vornehmen 16. Pariser Arrondissement und ist die Seele des bourgeoisen Wohnhauses, ihr Ehemann José ist als Vorarbeiter einer Baufirma geschätzt bei Kollegen.
Beide haben sich im Goldenen Käfig eingerichtet. Nur manchmal packt die beiden die Sehnsucht nach der alten Heimat. Die scheint plötzlich zum Greifen nah, als ihnen ein Anwaltsschreiben ins Haus flattert. Josés Bruder ist gestorben und hat ihnen ein Weingut in Portugal vermacht. Die beiden fast erwachsenen Kinder wollen in Paris bleiben, und die Eltern trauen sich nicht, Freunden, Verwandten und Arbeitgebern von ihrem Glück zu erzählen. Und als die Nachbarschaft von den Plänen des Paares erfährt, wieder nach Portugal zu ziehen, versuchen alle den beiden diese Idee auszureden und den Abschied so schwer wie möglich zu machen. Schliesslich wollen sie die Freundlichkeiten des Paares um keinen Preis verlieren.
Regisseur und Drehbuchautor Ruben Alves begeisterte die Franzosen mit seinem charmanten Feel-Good-Movie, gespickt mit persönlichen Erfahrungen. Ohne die jeweils anderen als Karikaturen zu zeichnen, spielt er mit den Klischees von Franzosen über Portugiesen und umgekehrt.Da hat jede Gruppe ihre speziellen Codici, ihre eigene Arbeitsmoral und ein bestimmtes Sozialverhalten, etwa elitäre Allüren wie Marias Wohnungseigentümerin. Wie die beiden Welten aufeinanderprallen, dennoch einen Modus Vivendi finden, ist nie bitter oder larmoyant inszeniert, sondern voller Energie und Emotion, auch wenn bei diesem Culture-Clash manchmal die Melancholie des portugiesischen Fado leise mitschwingt.
PORTUGAL, MON AMOUR ist eine spritzige, sympathische und warmherzige Komödie über portugiesische Hausfrauen und ihre Familien auf der Suche nach dem grossen Glück. Ein wunderbares Plädoyer an die Freundschaft und den Zusammenhalt einer Familie, und ein gelungenes Beispiel dafür, dass das Gras auf der anderen Seite des Hügels nicht um jeden Preis grüner sein muss.
«Flott, beinahe schon hektisch montiert, nimmt der sommerlich-leichte Film kulturelle Eigenheiten (und ihren oft einseitigen Blick darauf) aufs Korn.» (Der Standard)
«Eine Komödie mit Esprit über die Launen des Allzumenschlichen und kulturelle Mentalitätsunterschiede.» (blick.ch)
Mehr zu PORTUGAL, MON AMOUR:
Cineman: «Fahrt ins Glück mit Umleitung»