DIE ERSCHIESSUNG DES LANDESVERRÄTERS ERNST S.
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DIE ERSCHIESSUNG DES LANDESVERRÄTERS ERNST S.
Zum 20. Todestag von Niklaus Meienberg
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Gestützt auf Aussagen von Zeitzeugen sowie einige wenige schriftliche Quellen, Fotos und Wochenschauausschnitte zeichnet "Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S." die Lebensgeschichte, den Prozess und die Hinrichtung des Schweizer Soldaten Ernst Schrämli nach. Dieser hatte aus einem unbewachten Munitionsdepot der Armee vier Artillerie- und eine Panzergranate gestohlen und einem ihm bekannten deutschen Agenten übergeben. Ferner erstellte er Skizzen von Artillerie- und Bunkerstellungen, die der Untersuchungsrichter allerdings als ungenau bewertete.
Der aus schwierigen Verhältnissen stammende Ernst Schrämli (früher Tod der Mutter, alkoholkranker Vater) geriet wiederholt mit den Behörden in Konflikt; sein Leben war geprägt durch Vormundschaft, Erziehungsanstalt, Arbeitslager, militärische Disziplinarstrafen und eine Verurteilung wegen eines Schändungsversuchs. Ihm nahestehende Personen schildern ihn demgegenüber als lebensfrohen, geniesserischen, kunstbegeisterten, aber auch etwas naiven Menschen. Der Film kommt zum Schluss, dass er nicht aus politischer Überzeugung, sondern aus einer persönlichen Abhängigkeit vom deutschen Agenten gehandelt habe.
Dindo sieht den Fall Ernst Schrämli – ähnlich wie Niklaus Meienberg, auf dessen Reportage der Film aufbaut – als Beispiel dafür, wie die Schweiz während des Zweiten Weltkriegs an einigen Vertretern der Arbeiterschaft bzw. der Soldatenschaft ein Exempel statuierte (insgesamt wurden 17 Todesurteile vollstreckt), während der Waffenhandel von Emil Georg Bührle mit den Nationalsozialisten toleriert wurde und verschiedene Vertreter des politischen und militärischen Establishments Sympathien für das Dritte Reich hegten.
«Ich hatte das Gefühl, wenn ich mit meiner Mentalität und so, wie ich bin als Typ, tiefer unten auf die Welt gekommen wäre, 30 Jahre früher, dann wäre ich vielleicht auch erschossen worden. ich war in der Schule einer gewissen Repression ausgesetzt, aber ich musste nie in die Fabrik und nie vagabundieren.» (Niklaus Meienberg, "film"-Interview 1976)
«Es geht seinen Autoren nicht nur darum, zu erklären, "wie es wirklich gewesen ist", sondern sie versuchen mit dieser Geschichte vom Untergang des kleinen Mannes Ernst S. die Klassenstruktur einer Gesellschaft aufzudecken, die all jene benachteiligt und diskriminiert, die an der Basis der sozialen Pyramide leben müssen. Dieses Vorgehen bestimmt ihre Optik. Sie ist parteiisch, parteiisch für das Volk, und verleugnet dies keinen Augenblick.» (Weltwoche)
«Der Verrat des Ernst S. wird im Film weniger verharmlost als im Buch. Dadurch wird auch die Deutung des Lebens von Ernst S. als ein Resultat der gesellschaftlichen Umgebung, in der es sich abspielte, glaubwürdiger.» (Zoom)
«Was die Lebensgeschichte des Ernst S. betrifft, die äusseren Umstände seines Elends, die Schwierigkeiten, mit den auch wirtschaftlich bedingten Gegebenheiten seiner Existenz als Gelegenheitsarbeiter zu Rande zu kommen, sein Ausbrechen und sein Aufmucken und schliesslich die Motivierung seiner in den Landesverrat führenden Reaktionen, so weist sich der Film von Richard Dindo als eine Dokumentation von starker Einfühlung aus. Niemand wird sich in diesem Sinn dem erschütternden Bericht entziehen können.» (NZZ)
«Die eindrücklichste Szene es ganzen Films ist zweifellos jene, in der ein Zeitgenosse, der an der Vollstreckung des Urteils beteiligt war, den Vorgang der Hinrichtung schildert, während die Kamera in einem langen, nächtlichen Travelling an den Erschiessungsort fährt.» (Zoom)
«Unser Film richtet sich nicht gegen die Armee und nicht gegen die Landesverteidigung, sondern gegen den Faschismus und gegen die Sympathien gewisser einflussreicher Kreise im Bürgertum und in der Armee für den Faschismus. Unser Film wendet sich aber auch gegen die, die aus Naivität oder aus Opportunismus diese heute wieder aufblühenden Tendenzen verharmlosen oder sogar verstecken wollen» (Richard Dindo in Zoom 1976)
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